Zur Gelassenheit reprogrammiert: Lernen von den 40-Jährigen?

Was denkt die Generation der um die 40-Jährigen über die Arbeitswelt? Hier folgt Teil 2 des Gastbeitrags von Volker Marquardt – ein Auszug aus seinem neuen Buch “Halbzeit” das gerade bei Rowohlt erschienen ist. Mein eigenes, “Morgen komm ich später rein”, wird bei Volker auch erwähnt (s.u.), schon deshalb muss “Halbzeit” hier gefeatured werden. Vor allem aber, weil es klug und unterhaltsam geschrieben ist und viele Leser verdient, auch wenn ich nicht überall Volkers Meinung bin. Ich plädiere ja eher für den Mut zur Veränderung als fürs Festhalten an einer Routine, die unzufrieden macht. Aber ich bin ja auch noch keine 40 (knapp). Macht Euch am besten selbst ein Bild:
“Viele von uns wissen heute ganz genau: Einen neuen Job bekomme ich heute nicht so schnell wie mit 20 oder 25. So einfach geben sie ihre Stelle deshalb nicht mehr auf. Denn auf der Suche nach einem neuen Posten müssten sie vielleicht die Stadt wechseln oder lange Anfahrtszeiten in Kauf nehmen. Wer Familie hat oder andere Verpflichtungen, überlegt sich das zweimal. Zudem haben wir die Generation Praktikum im Nacken. Das sind jene gut ausgebildeten Mittzwanziger, die sich in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit von Praktikum zu Zeitvertrag hangelten. Kein Wunder, dass sie heute fast jede Stelle annehmen, zu fast allen Bedingungen. Sie sind mehr als 25 Prozent billiger zu bekommen als wir. Immerhin treibt uns die Einstellung der 15 Jahre Jüngeren dazu, weiter in unserem Job auszuharren.
Der nächsten Motivationskrise im Job sehen wir auch gelassener entgegen als der ersten. Auch da haben wir Routinen entwickelt. „Ich habe mir eine Menge Ratgeber als Proviant auf den Nachttisch gepackt“, sagt Andreas. Sie reichen von „Die 4-Stunden-Woche. Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben“ von Timothy Ferris bis zu „Morgen komm ich später rein. Für mehr Freiheit in der Festanstellung“ von Markus Albers. „Darin blättere ich dann, sobald ich wieder von meinem Job angeödet bin. Das Wenigste davon kann ich in meinem Umfeld umsetzten, aber ich brüte wenigstens nicht nur herum: Kündigen oder nicht? Ja oder Nein?“ Manchmal helfe es ihm auch schon, sein Kündigungsgespräch im Kopf durchzuspielen.
In bestimmten Abständen reprogrammieren wir uns, stellen uns neu auf unsere alte Stelle ein – und hoffen irgendwann von anderen Arbeitsbedingungen profitieren zu können. Die Chancen dafür stehen nicht mal schlecht, denn demnächst werden wir von der demographische Entwicklung profitieren: Allein durch die geringe Geburtenrate kippt spätestens 2011 der Arbeitsmarkt. Dann wird der Nachwuchs fehlen und die Unternehmen werden froh sein, wenn sie unsere Jahrgänge noch weiterbeschäftigen können.
Dann werden sie sich hoffentlich auch wieder um uns reißen. Bereits 2015 werden, das haben Bevölkerungswissenschaftler herausgefunden, auf dem Arbeitsmarkt sieben Millionen Menschen weniger als heute zur Verfügung stehen. Besonders Fachkräfte werden wieder so begehrt wie in den 90er Jahren. Das könnte, so hoffen viele, unsere Verhandlungsposition verbessern. Vielleicht haben wir dann Arbeitsbedingungen, die unserer Art zu leben besser entsprechen?”
Das war der zweite und letzte Teil des Gastbeitrags von Volker Marquardt, Autor des Buches “Halbzeit – was mit 40 wirklich zählt”.
