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von Markus Albers

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    Organic Viagra, Stachelgurken und ein 70jähriger Bergsteiger auf Grenada

    Vorweg, weil das die Leute immer wieder verwechseln: Grenada liegt in der Karibik, Granada in Spanien. Ich war gerade auf Grenada. Die Insel ist die wahrscheinlich am wenigsten touristische der Region – keine Betonburgen wie auf Barbados oder Jamaica. Die Strände sind großartig, das Wasser badewannenwarm. Aber ich war ja nicht zum Spaß dort, sondern habe mehrere Artikel recherchiert. Ein Prinzip der Easy Economy: Wenn wir heutzutage schon überall arbeiten können, sollten wir so oft wie möglich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Also Kamera, Notebook und Badehose eingepackt und los geht’s.

    Als erstes habe ich Dennis Noel getroffen, den ehemaligen Aussenminister und Uno-Botschafter Grenadas. Alte Fotos zeigen ihn im Smoking mit der Queen oder Ronald Reagan. Wer ihn heute in seinem Haus mitten im Regenwald besucht, trifft ihn etwas legerer an. Noel vermarktet gerade sehr erfolgreich lokale Pflanzen und Wirkstoffe als Medikamente. Sein auf Muskatnuss basierendes schmerzlinderndes Spray “Nutmed” ist der Renner in der Region. Klingt etwas albern, ist aber wichtig in Entwicklungsländern, die traditidionell nur Rohstoffe exportiert haben (im Fall von Grenada: Gewürze) und – so Noel – endlich anfangen müssen, Endprodukte herzustellen, weil sich damit viel mehr verdienen lässt.

    Seine neuestes Produkt ist noch nicht auf dem Markt, aber er hat es mir schon mal gezeigt. In diesem Glas ist ein Extrakt aus der Rinde eines einheimischen Baums, der auf Grenada seit Generationen als Aphrodisiakum verwendet wird. Das in Rum aufgelöste Stück Holz heisst “Bois Bande” und soll bei übermäßigem Gebrauch zu schmerzhafter Dauererektion führen. Ich hab’s natürlich gleich probiert und kann das so nicht bestätigen.

    Dennis Noel will Bois Bande nun – unterstützt von der lokalen Universität – als richtiges Medikament international vermarkten. “Organic Viagra” sei das dann und finde sicher viele Abnehmer. Die Geschichte schreibe ich für die nächste Ausgabe der deutschen GQ.

    Ausserdem habe ich mir die lokale Küche angeschaut – kreolisch, sehr scharf, mit einigen Sachen, die man sonst nirgendwo auf der Welt bekommt – zum Beispiel Lambie-Fritters (in der blauen Schale): frittierte Schneckenmuschel. Auch interessant: Stachelgurke, Callalloo-Suppe und Muskat-Marmelade. Meine kulinarische Reisegeschichte erscheint in ein paar Tagen in der Zeitung Die Welt.

    Ausserdem habe ich viele großartige Einheimische kennen gelernt: Dieser junge Mann nennt sich Yellow Butterfly und springt gegen ein kleines Trinkgeld aus halsbrecherischer Höhe von Wasserfällen in die Tiefe …

    … dieser Herr verdient sich sein Geld als Bergführer und sprintet in Badelatschen noch die steilsten und rutschigsten Schlammabhänge hinauf – Wege, bei denen sich selbst sportliche Besucher vorsichtig an Felsen festklammern. Die Pointe: Der Mann ist 70. Aber besser in Form als die meisten deutschen 30jährigen.

    In den von einer englischen Künstlerin und ihrem deutschen Mann geführten Maca Bana Villas habe ich zwischen den Recherchen ausgespannt. Der Strand des Resorts ist einsam und – nun ja – wunderschön.

    Zu einer kulinarischen Story gehört natürlich auch, das lokale Bier zu probieren. Ein kühles “Carib” hilft in allen grenadischen Lebenslagen: Wenn es Mittags mal wieder 38 Grad heiss wird. Wenn man nach dem Verzehr eines mörderisch scharfen Lammcurry Feuer spuckt. Oder wenn man am Ende des Tages von seiner Terasse aufs Meer schaut und Deutschland, Finanzkrise oder Wintermelancholie ganz weit weg sind.

    (Alle Fotos von mir oder Sandra Winkler)

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