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von Markus Albers

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    Neulich im Media Lab: Wo die Zukunft von Zeitung und Radio erfunden wird

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    In einem repräsentativen, aber unauffälligen Altbau an der Hamburger Alster, weit entfernt von der Konzernzentrale in Hannover, betreibt die Verlagsgruppe Madsack eine Dependance, die sich so keiner ihrer Mitbewerber leistet: Eine Forschungsabteilung für neue Medienprodukte, unter dem Namen „MediaLab“ von Andreas Arntzen geleitet.

    „Kaum einer kennt Madsack“, sagt der zur Begrüßung, „aber jeder hat unsere Produkte schon mal genutzt.“ Das wenig glamouröse aber profitable Medienunternehmen betreibt Radiosender wie ffn oder Antenne, Fernsehsender wie Timm.tv, besitzt lokale Tageszeitungen wie die Leipziger Volkszeitung und ist Deutschlands größter Anbieter so genannter Anzeigenblätter – „ das sind diese Zeitungen, die immer ungefragt in Ihrem Briefkasten stecken und die Sie wahrscheinlich oft wegwerfen“, so Arnzten. Der Mann hat Selbstironie.

    Um dieses durchaus konservative Portfolio zukunftsfest zu machen, darf Arntzen in Hamburg neue Produkte entwickeln, „um in der Region weiter Geld zu verdienen“. Er kümmert sich als einer von vier Geschäftsführern bei Madsack seit zwei Jahren um Print und elektronische Medien. Zwischen 1995 und 2000 sei das Thema in der Verlagsbranche immer nur unter dem Aspekt „print to online“ diskutiert worden, also: Wie bekomme ich meine Zeitungsinhalte auf eine Website und verdiene dabei möglichst noch Geld.

    Aber: „Derzeit sehen wir einen gigantischen Wandel“, so Arntzen, auch in der Radiolandschaft. Die Digitalisierung bedeute das Ende lokalen Fürstentümer, was danach komme, sei noch unklar. „Viele schreiben die Vergangenheit in die Zukunft fort – dabei geht die technische Entwicklung gerade durch die Decke. Ich verstehe nicht mal 50 Prozent von dem, was jetzt geschieht.“

    Was andere lähmen würde, beflügelt Arntzen gerade: Im Sinne eines produktiven Experimentierens probiert er neue technische, journalistische und Geschäftsideen einfach mal aus – mit größtmöglichem Abstand zum Haupthaus. „Youtube und MySpace sind auch nicht über Konzerne groß geworden“, sagt er, daher: „Keiner der MediaLab-Mitarbeiter kommt von Madsack.“ Er versteht seine kleine Ideenschmiede als richtige FuE-Abteilung – „das haben andere Medienunternehmen nicht“. Seine Entwickler sollen gern einfach mal drauflos spinnen, nicht gleich in Märkten denken. Arntzen: „Die haben Excel-Verbot.“

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    Heraus kamen unter anderem zwei spannende Produkte: radio.de und myheimat. radio.de soll sozusagen Google für Online-Musik werden – ein Service, der durch einfache Navigation den direkten Zugriff auf Audioinhalte im Internet ermöglicht. Durch individuell programmierte Inhalte bietet die Plattform darüber hinaus die Möglichkeit, neue Nutzergruppen, Geschäftsfelder und auch Werbeformen zu erschließen.

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    myheimat ist noch mutiger, zumindest für einen Verlag mit vielen Tageszeitungen im Portfolio – Tageszeitungen, die bislang von Journalisten gefüllt werden. Durch myheimat könnte sich das zumindest im Lokalbereich ändern: Das „Mitmach-Medium für mikro-regionale Zielgruppen“ gibt es als Website und Zeitung – für beide schreiben keine Journalisten, sondern ausschließlich interessierte Laien aus der Region. Qualitativ besonders hochwertige Texte der aktiven Bürgerreporter werden für die monatlich erscheinenden Print-Titel ausgewählt und abgedruckt.

    “Auf diese Weise erschließt myheimat ein neues Segment im regionalen Leser-, aber auch Anzeigenmarkt. Durch die Spezifizierung der Printtitel auf regional sehr kleine Bereiche sind die monatlich erscheinenden myheimat-Hefte besonders als Medium für lokal verwurzelte Verlage und Werbetreibende interessant”, heisst es auf der Website. Die Redakteure der Madsack-Zeitungen dürften weniger begeistert sein.

    Dieses Experimentieren ohne Tabus, das einem auf den ersten Blick konservativ wirkenden Medienunternehmen neue Geschäftsfelder erschließt, hat auch Mitbewerber neugierig gemacht: Anfang Dezember 2008 erwarb die WAZ-Mediengruppe, eine 50prozentige Beteiligung an der Madsack Media Lab.

    Das Unternehmen wird künftig The Media Lab heissen. Arntzen bleibt an Bord und hat vor, die klassichen Produktions-, Vertriebs- und Erlösmodelle der Verlagslandschaft weiter in Frage zu stellen: „Die Medien-Nutzungszeit der Menschen ist begrenzt, aber die Art der Nutzung wird immer unterschiedlicher. Darauf müssen wir einfach reagieren.“

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