“Lebenslanges Lernen macht glücklich”
Hier nun Teil zwei meines Interviews mit dem Glücksexperten und Blogger Wolff Horbach, dessen kluges Buch “77 Wege zum Glück” (Bild) bei Gräfe und Unzer erschienen ist.
Im ersten Teil des Interviews hat er für mehr Freiheit und Selbstbestimmung am Arbeitsplatz plädiert, sowie für ein “Schulfach Glück”. Hier geht es nun weiter darum, was Bildung, Freiheit, Mut zum Risiko sowie der Ort, an dem wir leben, mit unserer persönlichen Zufriedenheit zu tun haben.
Lebenslanges Lernen und Neugier machen angeblich glücklich. Müssen wir in einer sich immer schneller ändernden Welt auch ständig neue Fähigkeiten erlernen?
Dass lebenslanges Lernen und Neugier glücklich machen, würde ich sofort unterschreiben. Ob das für alle Menschen gilt, vermag ich nicht zu sagen. Es gibt eine Reihe von Menschen, denen ist Lernen einfach lästig. Ich vermute, das hat mit schlechten Erfahrungen in der Schule zu tun. Lernen wird oft mit drögem Büffeln verwechselt.
Was bedeutet das für Schule / Uni / Lehre?
Lernen kann sehr viel Spaß machen. Das sollten diese Institutionen mehr vermitteln. Die neuen Medien können da sehr helfen. Anstatt sich in einen überfüllten Lehrsaal zu quetschen, kann man heute die Vorlesung bequem von zu Hause aus verfolgen. Auch die Zeitbindung ist weg. Ich habe mir kürzlich
eine ganze Serie von Vorlesungsskripten und -Videos der Stanford-University über iTunes angesehen. Hervorragendes Material.
Können wir also, unterstützt durch Technologie, besser selbst lernen? Was bedeutet das dann für unser Glücksgefühl?
Mich macht das glücklich. Hoffentlich viele andere Menschen auch.
Viele Menschen gehen in und nach der Krise auf Nummer sicher. Dabei bietet diese auch Chancen, sein Leben neu aufzustellen. Was sagt der Glücksforscher zu beiden Strategien?
Es gibt ein wunderbares Buch von Alan W. Watts, einem der führenden Religionsphilosophen des letzten Jahrhunderts: “Weisheit des ungesicherten Lebens”. Watts hat intensiv die östlichen Weisheiten wie Taoismus und Buddhismus studiert. In diesem Buch beschreibt er, wie sich der moderne Mensch mit seinem Bestreben, das Leben in all seinen Aspekten kontrollierbar und vorhersehbar zu machen, immer mehr in seinem eigenen Netz verfängt und von den Erfahrungen des Lebens abschneidet.
Das Streben nach Sicherheit ist verständlich, aber es macht starr. Sicherheitsmenschen versuchen, einen alten Status aufrecht zu erhalten und machen sich viel zu viele Sorgen über die Zukunft.
Was empfehlen Sie stattdessen?
Das Leben mit all seinen Facetten ist aber bunt und kann nur durch unmittelbare Erfahrungen gefühlt werden. Glück findet immer im HIER und JETZT statt. Die abklingende Wirtschaftskrise könnte also durchaus ein willkommener Anlass sein, über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nachzudenken.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ort und Glück? Sollten wir uns globalisieren und unseren Traumort suchen?
Schöne Orte können durchaus zum Glück beitragen. Gleichzeitig möchte ich etwas davor warnen, das Glück zu sehr im Außen zu suchen. Wer mit zu vielen Erwartungen mit seinem Laptop oder iPhone auf eine Südseeinsel zieht, wird nicht automatisch glücklich werden. Schließlich nimmt sich der Mensch immer selbst mit, egal wo er hinzieht.
Glück ist vielmehr eine innere Haltung. Mit der richtigen Haltung kann ich überall ein sehr glücklicher Mensch werden. Zweifelsohne tragen gutes Wetter, eine intakte Umwelt und eine reizende Landschaft zum Wohlbefinden bei. Aber sie sind keine Bedingungen für das Glück.
Verraten Sie uns zum Abschluss einen universellen Glückstipp?
Generell tun wir gut daran, das Glück zu erlernen und täglich zu üben. Dann werden wir schon dort, wo wir jetzt sind, ein gutes Stück glücklicher. Dann können wir uns aufmachen, die sich bietenden Gelegenheiten der digitalen Ökonomie zu nutzen.

Interview: Lebenslanges Lernen macht glücklich - Faktor G
19. Oktober 2009 — 14:40[...] Markus Albers, der Autor von “Morgen komm ich später rein“, hat ein neues Buch geschrieben, welches im November 2009 erscheint. In dem Buch geht es auch darum, wie wir die Erkenntnisse der Glücksforschung im Arbeitsleben (besser) nutzen können. Dazu hat mich Markus Albers interviewt. Der zweite Teil des Interviews lautet: Lebenslanges Lernen macht glücklich. [...]