Fünf Dinge, die Sie noch nicht über die Frankfurter Buchmesse wussten
Gerade bin ich zurück von der Frankfurter Buchmesse. Schnell die fünf wichtigsten Erkenntnisse aufgeschrieben:
1) Die Verlagsbranche unterschätzt das Ebook
2) Bestsellerautoren sehen oft ganz anders aus
3) Die tristete und die tollste Veranstaltung
4) Auch auf der Buchmesse gilt: Bilder gehen immer
5) Job-Description: Rumstehen und nett gucken
1) Die Verlagsbranche unterschätzt das Ebook Alle, aber wirklich alle Stimmen zu diesem Thema in Frankfurt spielten die Relevanz digitaler Textrezeption herunter. Aber natürlich wird sie kommen. Ich würde zwei simple Strategien vorschlagen, mit denen die Verlage davon profitieren können: a) Buchpreisbindung für E-Book ja, aber nur nur die Hälfte, höchstens zwei Drittel des Preises für ein Papierbuch. Alben kosten ja auf iTunes auch deutlich weniger als CDs, was nur logisch ist, wenn man Herstellung, Vertrieb, Lagerung, Miete, Remittenden, etc. abzieht. b) Wenn ich mir künftig ein Papierbuch kaufe, müssen die Ebook-Rechte dabei sein (von mir aus für zwei Euro mehr). Auf Papier lesen, digital archivieren und durchsuchen. So wird es in Zukunft gehen. Wolff Horbach hat mich übrigens beim E-Book-Ausprobieren fotografiert.
2) Bestsellerautoren sehen oft ganz anders aus Also: Anders als man sie sich vorstellt. Und auch anders als es den Bildungsbürgern in den Verlagen vielleicht manchmal lieb wäre. Beim feinen gesetzten Essen von Droemer Knaur im holzvertäfelten Separree des besten Frankfurter Hotels waren alle arg kultiviert und dezent dunkel gekleidet. Bis auf Elmar und Iny Lorentz, deren (vermutlich schlimme) Mittelalterromane Millionen verkaufen. Die beiden standen etwas verloren aber sehr entspannt in Batikschal und Fantasy-T-Shirt zwischen den intellektuellen Smalltalkern und gingen dann auch früh. Reich sind sie schon, erfolgreich eh – da ist einem tendenziell alles egal. Selbiges gilt natürlich auch für Bushido, dessen Interview am Galore-Stand überfüllt und unterhaltsam war.
3) Die tristete und die tollste Veranstaltung Am ödesten und unattraktivsten war die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises. Komplett unglamourös in einem kalten Keller-Konferenzraum des Messegeländes. Gerade mal halb voll. Ausser dem Preisträger wurden alle anderen Nominierten – auch anwesende – unhöflich ignoriert, so zum Beispiel Thomas Ramge und Holm Friebe. Nicht nett. Das Siegerbuch hat aber sicher verdient gewonnen – hässliches Cover, sympathischer Autor. Die beste Party gab S. Fischer in den Verlagsräumen. Harte Tür, mieser Rotwein – aber großartige Stimmung und spannende und/oder gut aussehende Gäste (z.B. Christian Kracht).
4) Auch auf der Buchmesse gilt: Bilder gehen immer Im Sachbuchforum wurde ich am Samstag zu “Morgen komm ich später rein” interviewt. Die Leute sind immerhin sitzen geblieben (nicht selbstverständlich) und hinterher waren die Bücher nahezu ausverkauft. Lief also nicht schlecht. Aber nach mir kamen Ramge/Friebe mit Beamerpräsentation und YouTube-Filmchen und da blieben dann doch nochmal mehr Menschen stehen. Mach ich nächstes Mal auch so.
5) Job-Description: Rumstehen und nett gucken Auch so genannte Promi-Autoren sind auf der Buchmesse meist nur grinsender Grüßaugust. Roger Willemsen und Stuart Pigott standen den ganzen Tag am Stand ihres Verlages und warteten, dass sie jemand ansprach. Charlotte Roche signierte brav Bücher, Ruth Westheimer ebenso und Sascha Lobo war ständig mal kurz irgendwo und filmte mit seinem Handy. Die Verlagsleute hatten aber immer so richtig zu tun (Manuskripte, Lizenzen, etc.) Kurz: Auf der Messe ist der Autor Deko und der Deal ist King.
