GTD oder Vier-Stunden-Woche? Wie wär’s mit Erfolgreichen Gewohnheiten?
Wie bekomme ich als Freiangestellter Dinge geregelt? Der eine schwört auf David Allens Getting Things Done-Methode, der nächste versucht, Tim Ferriss’ Vier-Stunden-Woche umzusetzen. Ein Mitarbeiter des amerikanischen Magazins Wired hat gerade beide Konzepte ausprobiert und verglichen.
Ein neuer Vorschlag kommt nun vom deutschen Autor Jörg Weisner: Statt sich ständig disziplinieren zu wollen, soll man lieber Erfolgreiche Gewohnheiten kultivieren. Klingt einfach, bedarf aber einiger Tricks, um sich selbst zu überlisten und zu motivieren. Jörg hat dazu gerade ein Buch veröffentlicht. Ich habe ihn gebeten, die wichtigsten Erkenntnisse in einem Gastbeitrag zusammenzufassen. Genau die richtige Lektüre, um dieses Silvester ein paar sinvolle Vorsätze zu fassen. Hier geht’s los mit dem ersten Teil:
Jörg Weisner: “Markus hat mit seinem Buch den Nerv getroffen. Immer mehr Menschen sind frustriert von langen Arbeitstagen in hektischer Büroumgebung. Sie wissen genau, dass ihnen die besten Ideen oft außerhalb der Arbeit kommen. Und immer mehr Menschen wählen den Weg der Easy Economy, ob nun als freie Festangestellte oder vollkommen freiberuflich agierend. Eines haben sie alle gemeinsam, sie wollen die Freiheit haben, zu sagen: Morgen komme ich später rein.
Doch mit dieser ganzen Freiheit wächst automatisch auch das Gegenstück, die eigene Verantwortung. Auf einmal ist es nicht mehr der Chef, der verlangt, dass ich rechtzeitig aufstehe. Wenn keiner merkt, wann ich aufstehe und zu arbeiten beginne, dann könnte ich doch ruhig auch noch etwas liegen bleiben.
Und wenn ich dann endlich am Schreibtisch sitze, dann mache ich mir am Besten erst mal einen Kaffee. Bei der Gelegenheit kann ich auch gleich noch abwaschen. Da kommt natürlich Hunger auf. Mit leeren Magen zu arbeiten funktioniert ja eh nicht so gut, also doch schnell noch etwas essen … und bevor ich es richtig mitbekomme, ist der Tag schon halb vorbei.
Das Problem liegt in unseren Gewohnheiten. Bisher waren wir es gewohnt, dass wir das getan haben, was der Chef verlangt. Jetzt sind wir mit einem mal auf uns selbst gestellt. Was nun? Wo sind die erfolgreichen Gewohnheiten, die jetzt zu uns passen? Die es uns jetzt ermöglichen, unsere Arbeit zu schaffen, möglichst produktiver als vorher – und uns dabei zusätzlich noch die Möglichkeit geben, unsere neue Freiheit auch wirklich zu genießen.
Der erste Schritt beginnt wie so oft mit unserem Bewusstsein. Wir müssen zunächst einmal von unserer Stufe der unbewussten Inkompetenz zur bewussten Inkompetenz gelangen. Uns muss klar werden, was wir bisher nicht wissen bzw. bisher anders gemacht haben. Alte Gewohnheiten, wie z.B. das Abwarten bis der Chef sich meldet, funktionieren jetzt in der neuen Easy Economy nicht mehr. Jetzt liegt es an uns, zu handeln, proaktiv zu sein.
Und jetzt kommt das Problem: Wie fühlen wir uns, wenn wir von der ersten auf die zweite Stufe gelangen? Schlecht, richtig? Das sagen mir über 95 Prozent aller Seminarteilnehmer. Das heißt, die überwiegende Mehrheit fühlt sich schlecht, in dem Bewusstsein, etwas nicht zu wissen.
Und hier liegt eine der Ursachen für vielfältige Probleme. Wir müssen diese Stufe durchlaufen, um überhaupt im Lernprozess voranzukommen. Wir können uns hier selbstverständlich entscheiden, dass wir das Neue, noch Unbekannte nicht brauchen oder nicht lernen wollen. Das ist unsere freie Entscheidung. Aber wir müssen diese Entscheidung treffen.
Auf jeden Fall ist es fatal, wenn wir mit der Erkenntnis des Nichtwissens auch noch negative Gefühle verbinden. Wenn wir das tun, dann entwickeln wir auf Dauer eine unbewusste Antihaltung gegen das Lernen und gegen Fehler überhaupt. Genau das ist das, was ich kulturelle Hypnose nenne. Unsere anerzogene Angst vor Fehlern. Statt mit Fehlern proaktiv umzugehen, werden sie vertuscht und unter den Teppich gekehrt. Damit verzichten wir auf Lernchancen und stehlen sie auch unseren Mitmenschen.
Und jetzt meine zweite Frage: Welche Gefühle verbindet Ihr mit dem Wort „Disziplin“? Meine Erfahrungen zeigen, dass das Wort „Disziplin“ ähnlich negativ besetzt ist wie das Wort „Fehler“. Mit dem einen Unterschied: Den Fehler will man nicht machen, und wenn man ihn macht, dann mag man ihn nicht zugeben. Von der Disziplin hat man dagegen immer das Gefühl, zu wenig zu haben. Wohl jeder hat sich schon in dem einen oder anderen Gebiet gesagt: „Ach, hätte ich doch mehr Selbstdisziplin!“ Es baut sich also ein schlechtes Gewissen auf und das Gefühl der Unterlegenheit. Disziplin wird genutzt, um uns und andere niederzumachen und klein zu halten.
Also löst Euch aus Eurer Hypnose, und wacht endlich auf. Steht zu Euren Fehlern und lernt daraus, so schnell wie möglich. Bis Ihr die Stufe der bewussten Kompetenz erreicht habt. Und vergesst die Disziplin, konzentriert Euch auf Eure Gewohnheiten. Denn in Bezug auf Eure Gewohnheiten sind ihr bereits ein Meister. Schließlich haben ihr es geschafft, dass die allermeisten Euch so in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass ihr sie schon gar nicht mehr wahrnehmen. Dass ihr in diesem Bereich längst die Stufe der unbewussten Kompetenz erreicht habt.
Welche Gewohnheiten sich speziell für die Easy Economy eignen und wir Ihr damit mehr Freiheit und Gewinn erzielen könnt, darauf werde ich im zweiten Teil meines Gastbeitrages am 31. Dezember eingehen.”
Jörg Weisner studierte nach einer Banklehre und Anlageberatung in einer Großbank Betriebswirtschaft und startete parallel in der Unternehmensberatung. Seit 1989 ist er als Berater, Trainer und Unternehmens-Coach tätig. Sein erstes Buch „Job&Joy“ ist 2001 bei Econ erschienen. Soeben ist sein zweites Buch „Vergiss Selbstdisziplin, erfolgreiche Gewohnheiten bringen dich voran“ im OG-Verlag heraus gekommen.


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