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von Markus Albers

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Die Meconomy in der Praxis: Wie man sich ein Büro mit Meerblick organisiert

Ewa Ferens schrieb mir vor einigen Tagen. Sie habe gerade mein Buch Meconomy gelesen und fand es “sehrsehrsehr inspirierend”. Vor allem, da sie gerade dabei sei, sich selbst eine Online-Identität aufzubauen – “als virtueller Coach auf einer tropischen Insel.” Nach 20 Jahren im internationalen Festival-Business habe sie sich einen Traum erfüllt und sei in ein Häuschen im Regenwald an der Küste der philippinischen Insel Luzon gezogen – mit ihrem zweijährigen Sohn. “Von hier aus coache ich Menschen zu beruflichen Themen. Mein Schwerpunkt liegt auf den Themen “Wo will ich leben?” und “Wie werde ich arbeiten?”.

Das hat mich natürlich neugierig gemacht – und ich habe Ewa gebeten, in einem Gastbeitrag zu beschreiben, wie sie es geschafft hat, sich dieses Leben so einzurichten. Ihre Antwort lest Ihr hier:

“Ich sitze im philippinischen Regenwald. Auf einem Steilhang. Mit einem two-million-dollar-view auf das Riesenglitzermeer und Sambrero Island. Vom Westwind kommt die Einladung zum Windsurfen. Sehr verlockend. Ich will jedoch meine Coachingunterlagen vorbereiten. Morgen ist die nächste Session mit meinem Klienten aus Indien. Skype macht es möglich. Wenn in Indien der Strom ausfällt weil da gerade Regenzeit ist, dann ruft mich der Klient nahtlos auf meinem Handy an. Er ist es gewöhnt so zu arbeiten – ich ebenfalls. Die Taifunsaison ist vorüber, das Internet ist wieder stabil und auch mein Laptop hat sich an das tropische Klima gewöhnt. Es wird Zeit eine frische Mango zu essen.

Vor 14 Jahren, gleich nach meiner Diplomarbeit in Communication- and Cultural Studies, bekam ich eine email von Hoi Trinh, einem vietnamesischen Freund und Anwalt für Menschrechte: „ I have a badly paid job vor you in Manila. Would you like to join us?“ Drei Wochen später sitze ich mit einer fetten Augenentzündung in einem fensterlosen Büro in den Slums von Baclaran/ Manila und versuche zusammen mit Hois Team die Welt zu retten. Das Arbeiten in den Slums ist kein Kindergeburtstag.

Ich fahre an die Küste um mich zu erholen. Das Salzwasser des Marinenationalparks von Anilao heilt meine Entzündungen. Inay (= Mutter) von 11 Kindern, mit der ich mich anfreunde, bietet mir an ein kubo (=kleines Haus) auf ihrem Grundstück zu bauen damit ich mich jeder Zeit von dem Wahnsinn der Großstadt erholen kann. Jedes Jahr kehre ich in mein winziges Häuschen mit dem grandiosen Meeresblick zurück. Meist nur für wenige Wochen. Bis vor 2 Jahren.

Ich arbeite in Manila, Wien, Hamburg und New Delhi. Hochschwanger ziehe ich aus familiären Gründen nach einem spannenden 4 jährigen Aufenthalt auf dem indischen Subkontinent nach Lübeck: Asiatische Megacity versus Deutsches Touristenstädtchen. Der Kulturschock sitzt mir tief in den Knochen.

Trotz genialer Berufserfahrung im internationalen Kulturmanagement sind meine Jobaussichten mit Baby fatal. Ich packe meinen Rucksack und fliege in meine persönliche Komfortzone am Meer. Meine philippinische Großfamilie ist aus dem Häuschen vor Glück. Für sie sind Kinder ein Geschenk Gottes. Die kollektive Herzenswärme tut Theo und mir gut und der frische buko juice (=Kokosnusssaft) ebenso.

Ich mache ein Fernstudium zum „Professional Coach“, bilde mich weiter im Systemischen Coaching, mache live Fortbildungen in Deutschland, besuche hochwertige Webinare (z.B. bei der International Coaching Federation) und beginne das Leben, dass ich mir eigentlich schon lange gewünscht habe: arbeiten auf einer tropischen Insel, online verbunden mit großartigen Persönlichkeiten durch die Coachingaufträge aus den USA, Australien, Indien, Philippinen und Deutschland. Ich konzentriere mich auf jene Klienten die daran denken ganz wo anders als sonst zu leben. Mit oder ohne Familie, für kurze oder längere Zeit.

Ich klappe meinen Computer zu. Theo ist von seinem Nachmittagsschläfchen aufgewacht. Wir gehen gleich zusammen an den Strand um im türkisblauen Ozean zu planschen und Meeresglasscherben zu suchen – solange bis die Sonne über Sombrero Island ins Wasser hüpft.”

Soweit der Gastbeitrag von Ewa. Wer sie kontaktieren möchte – hier ist ihre E-Mail: coachingculture.ewaferens@gmail.com

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