—Blog

von Markus Albers

RSS Feeds:

Markus Albers on Twitter:

    Buchautor Christoph Koch: “Nie mit diesem digitalen Crack anfangen”

    Foto: Urban Zintel / Blanvalet

    Hier nun der zweite Teil meines Posts zum neuen Buch von Christoph Koch (Foto), das ich wirklich sehr gelungen finde. Christoph hat über einen Monat lang ohne Internet und Handy gelebt und dokumentiert, wie das war. Einen Auszug findet Ihr hier. Ich wollte vom Autor wissen, was sein persönliches Fazit des Experiments ist und wie er sein Buch in der aktuellen Debatte über Informationsflut und Always-On einordnet.

    Christoph, was hast Du in Deinem Versuch über Dich selbst und Dein Verhältnis zu moderner Kommunikationstechnik gelernt?

    Dass ich doch stärker davon abhängig war und bin als ich gedacht hätte. Aber auch, dass es dann doch ohne geht, wenn man sich drauf einlässt. Am Ende habe ich ja sogar noch verlängert, weil ich zuerst gar nicht zurück wollte in die digital vernetzte Welt.

    Empfiehlst Du jedem so ein Internet-Sabbatical? Wen betrifft das Thema eigentlich – zum Beispiel auch unsere Eltern?

    Bei meinem Vater habe ich beobachtet, dass er Internet und Handy sehr entspannt nutzt. Er bedient sich der Vorteile, lässt sich aber nicht davon stressen oder – Achtung, Dramatisierung! – versklaven. Wenn sein Handyakku alle ist, ist er halt auch mal einen oder zwei Tage nicht erreichbar, findet das aber nicht schlimm. Ich glaube, ein Internet-Sabbatical ist umso spannender je selbstverständlicher und intensiver wir die jeweiligen Techniken nutzen. Für die ganz Jungen, die “digital natives” ist es spannend, weil sie gar kein Leben ohne Internet und Handy kennen, für mich als etwas älteren war es wie eine Reise zurück in die Jugend – inklusive miefenden Telefonzellen und Spontanbesuchen, aber zum Glück ohne Pearl Jam.

    Wo verortest Du Deinen Beitrag in der aktuellen Debatte um Informationsflut, Always-On, etc.: Eher bei den Skeptikern wie Frank Schirrmacher oder den Optimisten wie Jeff Jarvis?

    Von außen wirkt das Set-Up “Der Mann, der das Internet verließ” in seiner Anti-Haltung vielleicht wie Thoreaus “Walden” oder eben Frank Schirrmacher. Wenn man es dann liest, wird man aber schnell feststellen, dass ich es eher mit Clay Shirky (“Here Comes Everybody”) oder Jeff Jarvis halte. Auch wenn mir letzterer mit seinem Sauna-Spleen manchmal ein wenig unheimlich wird.

    Macht uns die moderne Technik nun unkonzentriert, unproduktiv, unglücklich – oder im Gegenteil produktiv, kommunikativ, kreativ? Und wie verhält sich das zu der Tatsache, dass wie sie in unseren Jobs immer mehr brauchen? Kann man Arbeit und Job trennen, sollte man es versuchen?

    Unterm Strich glaube ich, dass die positiven Auswirkungen von moderner Technik immer überwiegen. Aber ich denke, dass wir die negativen durch einen bewussteren Umgang mit Computer und Smartphone noch mal erheblich reduzieren können. Ob das regelmäßige Offlinezeiten bedeutet oder vom Smartphone doch wieder zu einem “normalen” Handy zurückzukehren, muss jeder nach seinem eigenen Wohlbefinden entscheiden. Was die Trennung von Arbeit und Privatleben betrifft (ich vermute, dass du das meinst, wenn du “Arbeit und Job” schreibst), so hängt es sicherlich ganz von meiner Arbeit ab, wie streng ich das trennen sollte. Wenn ich einen Job habe, der mir Freude macht und mich ausfüllt und in dem ich selbstbestimmt arbeiten kann, dann wird es mir natürlich weniger das Wochenende verderben, wenn ich mich auch am Samstag noch mal zwei Stunden der Arbeit widme. Aber ich denke, jeder Mensch braucht Phasen (am Tag, in der Woche, im Jahr), in denen die Arbeit und der Alltag komplett verschwinden. Und diese Phasen werden durch “always-on”, durch Blackberrys etc. tendenziell weniger.

    Drei schnelle knackige Tipps bitte, wie wir klüger mit Email, Twitter, Facebook umgehen.

    E-Mails seltener abrufen, morgens nicht als erstes nachsehen, was andere von einem wollen sondern erst mal ein oder zwei Stunden an den eigenen Prioritäten arbeiten. Bei Twitter nicht zurückblättern und das “aufholen” wollen, was man verpasst hat, seit man das letzte Mal reingeschaut hat. Bei Facebook die Nachrichten von Farmville und Mafia Wars spielenden Freunden blocken. Und selbst nie mit diesem digitalen Crack anfangen. Falls es dafür schon zu spät ist: 40 Offline-Tage sollten einen kurieren.

    Einen Kommentar schreiben