—Blog

von Markus Albers

RSS Feeds:

Markus Albers on Twitter:

    Brand Me: “Es reicht nicht mehr, nur sein heutiges ICH zu vermarkten”

    dc_fcomco

    Dies ist der zweite Teil meines Interviews mit Klaus Eck, dem wohl führenden deutschen Experten in Sachen Personal Branding. Den ersten Teil gibt es hier. Jetzt möchte ich mehr über die gesellschaftlichen und ökonomischen Gründe erfahren, die es für jeden von uns nötig machen, uns zunehmend als Marke zu positionieren. Außerdem frage ich nach den multiplen Identitäten, die wir dank verschiedener Communities und Profile zunehmend gleichzeitig haben.

    Herr Eck, welche großen strukturellen, gesellschaftlichen und ökonomischen Umwälzungen stehen im Hintergrund der Entwicklung zum Personal Branding?

    Klaus Eck: Neben den vielen ME’s (Egos) gibt es zunehmend das WIR im Social Web. Es wächst die Bereitschaft der Individuen, digitale Güter, darunter Bilder, Musik und Texte, miteinander zu teilen. Dieser Altruismus ist aus der Netzkultur heraus entstanden, aber macht letztlich auch Organisationen lebensfähiger. Denn es kommt in den internen wie externen Unternehmensprozessen auf den schnellen und effizienten Austausch von Wissen an. Nur wer wirklich schnell, alle Wissensressourcen innerhalb wie außerhalb von Unternehmen nutzen kann, bleibt auf Dauer in einer globalisierten Ökonomie überlebensfähig.

    Ist es in der digitalen Ökonomie einfacher, sich selbst zu verwirklichen und zu branden? Kann man sein Leben heute “hacken” und dadurch optimieren?

    Eck: Es fehlt uns noch der direkte Anschluss an das Digitale, in der es zwischen Virtualität und Realität nur noch wenig Unterschiede gibt, wie es beispielsweise Tad Williamsen in einem meiner Lieblingsromane “Otherland” beschrieben hat. Die Schnittstellen, die es uns ermöglichen würden, all unsere Gedanken und damit Sein zu uploaden, lassen weiterhin auf sich warten. Darauf hoffen einige Netzgläubige weiterhin vergeblich. Aber in der digitalen Ökonomie ist jeder Mensch nur einen Tweet und einen Klick (Skype, Link) entfernt. Früher haben wir allenfalls die E-Mail-Adresse und vielleicht noch einige Homepage-Texte entdecken können. Demgegenüber gibt es inzwischen von den meisten Onlinern hierzulande Online-Profile, die uns etwas mehr von deren Persönlichkeit verraten. Diese digitalen Abbilder haben durchaus ökonomische Funktionen und stellen unsere Schnittstellen ins Digitale dar. Wir sind für alle erreichbar – falls wir diese wirklich wollen – und zeigen uns schon vorab in einer Online-Version nahbar.

    Gary Vaynerchuk sagt: Wenn man heutzutage auch nur zu fünf Prozent mit dem unzufrieden ist, was man tut, soll man sofort damit aufhören und stattdessen etwas machen, woran das Herz hängt. Man werde das schon monetarisieren können, er selbst sei das beste Beispiel. Seth Godin sagt: Es gibt da draussen unendlich viele “Stämme”, die darauf warten, dass man ihr Anführer wird: Tu, was Du liebst, dann wird dich die weltweite Plattform von Web 2.0, mobile, etc. mit Gefolgschaft, Kunden, Geschäft belohnen. Ist das naiv oder die Zukunft?

    Eck: Für einzelne ist das längst Gegenwart geworden. Schließlich gibt es beinahe allen Branchen Beispiele, in denen es die Menschen gezeigt haben, dass sich gute Ideen sehr wohl via Web verwirklichen lassen. Gerade in der Nische funktioniert das sehr gut. Als da wären bloggende Schneider, Saftanbieter, Paid-Content- und Handy-Experten.

    Oder schauen Sie sich Amazon an: Lange Zeit sah das nicht gerade nach einem Erfolgsmodell aus. Aber heute profitiert der E-Commerce-Player Nr. 1 auf grandiose Weise von der Vernetzung im Web. Immer wieder verweisen Buchliebhaber auf ihre Amazon-Wunschlisten oder geben per Facebook oder Twitter Buchtipps weiter, verbunden mit einem Link auf Amazon.

    Wenn man die aktuelle Wirtschaftskrise als Anlass begreift, bestehende Strukturen in Frage zu stellen, neue Ideen zu entwickeln – würden Sie zustimmen, dass die alten Institutionen (lebenslange Festanstellung, 9to5-Job, Geldanlage, Rente, etc.) zunehmend passé sind und wir uns stattdessen selbst unser Leben (a la WWGD) neu erfinden müssen? Was bedeutet das fürs Selbstmarketing?

    Eck: Die beste finanzielle Absicherung besteht nicht mehr in einer Versicherung oder vergleichbaren Geldanlage, sondern in dem Aufrechterhalten der eigenen künftigen Chancen. Wenn Sie heute mit 45 Ihren Job verlieren, kann das das gesellschaftliche Aus bedeuten oder ist zumindest mit enormen finanziellen Einschränkungen verbunden.

    Wer nicht an eine rentenbasierte Absicherung mehr glauben kann und aufgrund kommender nicht absehbarer gesellschaftlicher Entwicklungen eher pessimistisch ist, sollte vor allem in sein Vermögen – dem Personal Brand – investieren. Das heißt: gesund leben und sich ständig fortbilden, neugierig bleiben.

    Es reicht längst nicht aus, nur sein heutiges ICH zu vermarkten. Ein erfolgreiches Selbstmarketing basiert darauf, sich immer auch künftige Chancen eröffnen und flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Alles andere schränkt den Personal Brand schnell wieder ein und verbaut Möglichkeiten.

    Ermöglichen erst die neuen sozialen Techniken dieses “sich neu erfinden” oder gibt es auch Aspekte jenseits von Facebook, Twitter, bloggen, etc.?

    Eck: Zumindest erleichtert das Microblogging vieles. Aber neben der Online-Welt gibt es immer noch das Real Life. Letztlich kommt es immer auch darauf an, sich ein gut funktionierendes Netzwork aufzubauen. Dazu gehört es auch, sich auf Events oder zu einem Mittag- oder Abendessen zu verabreden.

    Gibt es einen Unterschied, was Personal Branding im privaten und im beruflichen Bereich angeht oder vermischt sich beides? Jonglieren wir künftig mit vielen fragmentierten Identitäten (Business-Ich auf Xing, Spaß-Ich auf Facebook, etc.) oder werden diese re-integriert werden (und zum Beispiel über technische Lösungen zentral verwaltet)?

    Eck: Es ist denkbar schwer, die unterschiedlichen Rollen noch aufrechtzuerhalten. Schließlich verschränken sich die beruflichen und privaten Welten immer mehr. Deshalb rate ich eher von einer Trennung in ein Business- und Privat-Ich ab. Meiner Ansicht nach gibt es im Netz gar keine Privatheit. Das ist eine Illusion. Selbst die Anonymität ist nur so lange gesichert, bis ich mich einem Menschen offenbare. Das geht schneller, als man denkt. In Zukunft wird es leichter werden, die vielen Online-ID’s zu verwalten. Schon jetzt gibt es erste Open-Identity-Plattformen wie myON-ID, über die sich die vielen eigenen Online-Profile zumindest halbwegs zusammenfügen lassen.

    Share this post:
    • Digg
    • del.icio.us
    • Facebook
    • Google Bookmarks
    • email
    • LinkedIn
    • Live
    • MisterWong
    • MySpace
    • StumbleUpon
    • Technorati
    • TwitThis
    • Yigg

    Eine Reaktion zu “Brand Me: “Es reicht nicht mehr, nur sein heutiges ICH zu vermarkten””

    1. Klaus Eck schildert hier sehr schön die Bedeutung des Sozialkapitals, welches Tara Hunt in Ihrem Buch “The Whuffie Factor” als die Währung in der digitalen Welt beschreibt. Gary Vaynerchuk ist übrigens ein tolles Beispiel für neu-entwickeltes Eigenmarketing. Bei ihm hat es auch nicht mehr gereicht, dass er seinen Wein im Laden verkauft und ihn in einem Online-Shop angepriesen hat. Erst durch seine einzigartige TV-Show “Wine Library TV” konnte er sich ganz oben positionieren. Neue, kreative Ideen sind gefragt, denn wie auch von Klaus Eck bereits erwähnt, gibt es jede Menge “Stämme”, die darauf warten angeführt zu werden. Wenn man sich selbst seinen Werten und Kompetenzen bewusst ist, kann man sich aktiv präsentieren und Marketing in eigener Sache betreiben.

      Am Ende werden diejenigen erfolgreich sein, die es verstehen sich selbst zu inszenieren und andere als „Follower” o.ä. für sich gewinnen. Der Aufbau der Marke-ICH wird zur Aufgabe für jeden von uns, insbesondere wenn er beruflich erfolgreich sein will. Bei myON-ID kann jeder ohne große Vorkenntnisse und mit geringem Zeitaufwand den Aufbau seiner Marke im Internet starten. Die Basis hierzu bildet eine professionelle Web-Visitenkarte. Die Zusammenführung der verschiedensten Profile anderer Dienste, macht es um so einfacher und geschickter sich optimal zu präsentieren.

    Einen Kommentar schreiben