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von Markus Albers

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Authentisch sein! Eine kurze Gebrauchsanweisung zum Netzwerken

BüroAlltagsBibelCover

Zum Jahresabschluss – und bevor es mit dem Countdown zu “Meconomy” weitergeht – möchte ich noch schnell auf das neue Buch von Jochen Mai hinweisen, den ich als Journalist und Buchautor sehr schätze. Jochen ist Leiter des Ressorts „Management + Erfolg“ bei der WirtschaftsWoche. Anfang 2008 erschien sein Bestseller Die Karriere-Bibel – inzwischen in mehrere Sprachen übersetzt und 2009 von der Stiftung Warentest mit „empfehlenswert“ bewertet. Das dazugehörige Online-Jobportal karrierebibel.de bekam 2009 einen „Lead-Award“.

Jochen war so nett, mir einen exklusiven Auszug aus Die Büro-Alltags-Bibel zur Verfügung zu stellen. Es handelt von einem spannenden Thema, das uns irgendwie alle angeht und immer wichtiger wird: Das richtige Netzwerken.

“Als das Jobportal Monster 2008 rund 958 Erwerbstätige in Deutschland zum Thema Netzwerken befragte, sagten 60 Prozent der Arbeitnehmer, sie wollten lieber ohne gute Beziehungen Karriere machen. 47 Prozent der Befragten gaben an, sich ihre aktuelle Position selbst erarbeitet zu haben, 13 Prozent lehnten es komplett ab, Beziehungen für die Karriere zu nutzen. Dem gegenüber standen 29 Prozent, die zugaben, dass schon einmal ein Bekannter ein gutes Wort für sie eingelegt hatte und noch einmal elf Prozent gestanden freimütig: „Meine derzeitige Position habe ich, weil ich den Chef persönlich kenne.“

Aus meiner Sicht sitzt hier die Mehrheit der Befragten einem monströsen Irrtum auf. Diese Leute denken, Empfehlungen seien etwas Negatives. Sind sie aber nicht, vielmehr basieren die meisten auf nachprüfbaren Leistungen. Was hier tatsächlich subtil unterstellt wird, ist, dass ein Minderleister allein aufgrund eines Zitierkartells Karriere macht, also nicht, weil er etwas kann, sondern weil er jemanden kennt. Das ist aber Unfug.

Erstens: Wer jemanden empfiehlt, den er nicht kennt oder der nachweislich ungeeignet ist, der ist entweder unglaublich naiv oder todesmutig. Jede Referenz fällt irgendwann auf den Empfehlenden zurück (in der Regel soll sie das ja auch, denn durch gute Empfehlungen kann man sich selbst empfehlen). Und stellt sich heraus, dass der so Gepriesene in Wahrheit eine trübe Tasse ist, haben beide ihren Ruf beschädigt.

Zweitens: Wer seine Kontakte nicht nutzt, verschlechtert seine Berufschancen gegenüber all jenen, die das sehr wohl tun – und ich glaube noch immer, dass das die Mehrheit ist.

Überhaupt ranken sich viele Missverständnisse um das Thema Netzwerken. So meinen erstaunlich viele, dabei gelte es vor allem, möglichst viele Menschen kennenzulernen. Das ist falsch. Andere denken: Beim Netzwerken ginge es darum, mithilfe seiner Kontakte Karriere zu machen. Auch das ist falsch. Richtig ist allein: Beim Netzwerken geht es in erster Linie um Beziehungen. Echte Beziehungen. Netzwerken bedeutet, neue Menschen kennenzulernen – und sich wirklich für sie zu interessieren. Nur wer diese Beziehungen pflegt, gewinnt daraus irgendwann einmal das sprichwörtliche Vitamin B, das dann später vielleicht auch im Job hilft. Wer beim Netzwerken also immer nur an den eigenen Vorteil denkt, den er daraus eines Tages ziehen könnte, der verhält sich wie ein Arbeitnehmer, der stets darauf achtet, wie er möglichst mehr verdienen kann – und nicht wie er seinen Job besser machen kann. Solche Leute scheitern eher früher als später.

Entgegen landläufiger Meinungen besteht das Netzwerken nicht aus geheimnisvollen Techniken oder ausgebufften Rhetorikspielchen. Im Kern brauchen Sie dafür nur den Mut, auf andere Menschen zuzugehen, sich ein wenig zu öffnen und Hilfsbereitschaft zu beweisen. Je routinierter Sie dann werden, desto weniger sollten Sie wahllos Kontakte maximieren, sondern vor allem Beziehungen zu Leuten pflegen, die nicht ausschließlich aus demselben Umfeld, Beruf oder Interessenbereich wie Sie kommen. Erst durch unterschiedliche Sichtweisen und Sozialgruppen erweitern sich der eigene Horizont und damit auch der Wirkungskreis der Beziehungen.

Ideale Orte zum Üben sind übrigens die Kantine, Betriebsausflüge sowie abteilungsübergreifende Feiern, Messen und Kongresse. Für all diese Treffpunkte haben sich folgende Tipps bewährt:

– Seien Sie authentisch. Ich weiß, ein überstrapaziertes Wort. Gemeint ist in diesem Fall: Seien Sie freundlich, erfrischend und ehrlich. Niemand mag selbstverliebte Sprücheklopfer. Suchen Sie lieber Gemeinsamkeiten. Aus der Sympathieforschung weiß man, dass wir jemanden, der uns ähnlich ist und uns versteht, anziehend finden.

– Seien Sie vorbereitet. Bevor Sie jemanden ansprechen, überlegen Sie sich kurz, was Sie sagen wollen. Klingt banal. Viele aber denken nur an den Opener und vergessen den dritten und vierten Satz. Nichts lässt jedoch ein extraordinäres Intro schneller verpuffen, als jemand, dem nach der Vorstellungsrunde schon die Konversationspuste ausgeht.

– Seien Sie generös. Nicht gemeint ist, eine Lokalrunde nach der anderen zu schmeißen, sondern bei einem Treffen nicht ständig Ihre Ziele zu verfolgen. Sonst wirken Sie wie ein Aufreißer in einer Single-Bar. Stattdessen sollten Sie zuerst Interesse am anderen signalisieren und etwas anbieten: eine Idee, ein neues Konzept, einen guten Kontakt. Hauptsache, es ist etwas, das dem anderen weiterhilft.

– Strahlen Sie Positives aus. Sie kennen das Bonmot: Erfolg macht sexy. Der Grund dafür ist einfach: Man sieht es den Menschen buchstäblich an, wenn Sie mit sich und der Welt zufrieden sind. Und da wir uns alle danach sehnen, sind solche Menschen extrem anziehend. Versuchen Sie diese innere Zufriedenheit vor einem Treffen zu konservieren und vor Ort auszustrahlen – und die Leute werden auf Sie zugehen.

– Bleiben Sie in Bewegung. Auf Berliner Politpartys werden Gäste gerne nach „Geher“ oder „Steher“ kategorisiert. Letztere sind die VIPs, um die die Nobodys herumschleichen. Falls Sie weder VIP noch Schleicher sind, empfiehlt es sich in Bewegung zu bleiben: Sie erscheinen so zumindest omnipräsenter und unterstreichen die Vielseitigkeit Ihrer Interessen und Kontakte. Wer immer nur am selben Tisch sitzt, könnte schließlich eine trübe Tasse sein.

– Nehmen Sie immer genug Visitenkarten mit. Erstens, weil die erfahrungsgemäß schneller ausgehen als man meint; zweitens, weil man die interessantesten Leute oft erst zum Schluss kennenlernt. Blöd, wenn ausgerechnet dann die Karten alle sind.

– Machen Sie sich regelmäßig Notizen. Profis raten, sich noch am selben Abend ein paar Notizen zur Person auf der Rückseite ihrer Visitenkarte zu machen. Natürlich nicht, während die Leute daneben stehen. Dazu zieht man sich diskret zurück – im Zweifel auf die Toilette. Eine andere Methode ist der Zwei-Hosentaschen-Trick: Nachdem Sie die Karte des anderen ausreichend gewürdigt haben, stecken Sie die Karten von Leuten, zu denen Sie weiterhin Kontakt halten möchten, in die rechte Tasche, die von Nervensägen in die linke. Den Unterschied merkt kein Mensch, aber die Entsorgung fällt hinterher wesentlich leichter.

– Halten Sie Ihre Versprechen. Seien Sie vorsichtig mit Zusagen! Sie werden an ihnen gemessen. Wenn Sie sagen: „Ich rufe Sie morgen an!“, dann rufen Sie denjenigen bitte auch am nächsten Tag an. Und wenn Sie sagen: „Ich werde mich mal umhören“, dann tun Sie das bitte und melden sich auch dann zurück, wenn nichts dabei herausgekommen ist. Bei solchen Versprechen geht es um mehr als einen Gefallen: Es ist der Lackmustest Ihrer Vertrauenswürdigkeit.”

So weit der Auszug aus dem neuen Buch von Jochen Mai.

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